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Diese Chronologie
enthält die Daten einiger grundsätzlicher Fortschritte auf
dem Gebiet der Menschenrechte und Menschenwürde. Diese Geschichte
ist voller Windungen. Über Jahrhunderte hinweg wurden nach langen
und harten Kämpfen viele Rechte gewährt, nur um in Zeiten
der Intoleranz wieder entzogen zu werden.
Das Gelöbnis
für eine bessere Welt einzutreten ist in verschiedenen Gesellschaften,
die für Menschenrechte kämpften, verwurzelt. Viele Menschen
halten das antike Griechenland und Rom - beides Gesellschaften, die
Sklaven hielten - für den alleinigen Ursprung demokratischer Prinzipien.
Andere Gesellschaften zuvor und danach haben jedoch ebenfalls beträchtlich
zur Entwicklung der Menschenrechte und der demokratischen Ideale beigetragen.
Der wahrscheinlich früheste Ausdruck eines Versuches Menschnerechte
institutionell zu begründen findet sich im Gesetzbuch der Hammurabi
in Babylonien 1700 v.C. Dieser wahrscheinlich älteste Gesetzeskodex
beinhaltete Klauseln, die das Individuum vor willkürlicher Machtausübung,
und die Schwachen vor den Starken schützen sollten.
Im Rückblick
ist es wichtig zu bemerken, dass viele der hier aufgeführten Grundsatzerklärungen
nicht immer alle Menschen einschlossen. Minderheiten wie z.B. Frauen,
Schwarze, Juden and Schwule wurden oft von den Menschenrechten ausgeschlossen,
die anderen zugestanden wurden. So erweiterte die Unabhängigkeitserklärung
der Vereinigten Staaten von 1776 die Menschenrechte nicht für Sklaven.
Das Parlamentsgesetz, das Sklaverei in Grossbritannien und dem Empire
abschaffte, wurde nicht vor 1833 verabschiedet. Die "Emancipation
Proclamation", die die Sklaven im Süden der USA befreite,
fand erst 1863 statt. In Deutschland konnten Frauen erst ab 1918 und
in Österreich ab 1919 wählen. In Großbritannien hatten
Frauen bis zum Volksvertretungsgesetz 1928 kein Wahlrecht.
Oft wird vergessen,
dass große Fortschritte bei der Entwicklung der Menschenrechte
auch ausserhalb der westlichen Hemisphäre gemacht wurden. Lange
bevor Frauen in Europa und den USA wählen durften, hatten die Frauen
des Irokesen-Stammes in Nordamerika schon Wahlrechte, um nur ein Beispiel
zu nennen.
Im folgenden stellen
wir einige der herausragendsten Leistungen von Einzelpersonen, Kulturen,
Religionen und Nationen über den Zeitraum der letzten zweieinhalb
Jahrtausende dar.
5. Jh. v.C.:
Sophokles Antigone erhebt das individuelle menschliche Gewissen
über das Recht und führt eine neue Dimension in die Rechtsvorstellung
ein, die zum ersten Mal auch Rechte des Individuums berührt.
4. Jh. v.C.:
Plato
entwickelt die Idee der Gerechtigkeit und sein Schüler Aristoteles
die Idee der Unparteilichkeit.
3. Jh. v.C.:
Der chinesische Philosoph Meng-Tsu untersucht die Frage, ob das
Individuum weniger Wert sei als der König. Ein Jahrhundert später
sagt Sien-Tsu, die Rechte des Individuums machten eine Gesellschaft
erst möglich.
3. Jh. n.C.:
Senecca bekräftigt die Heiligkeit des menschlichen Lebens.
5. Jh. n.C.:
Das Christentum verkündet, alle Menschen seien gleich vor
Gott und Augustinus erhebt die Gerechtigkeit über das Recht.Im
Koran wird festgehalten, dass Menschen um ihrer selbst willen bedingungslosen
Respekt verdienen.
1215:
Als Vorläuferin aller moderner Menschenrechtserklärungen
verbürgt die Magna Charta Rechte und Freiheiten des Individuums,
Rechtsschutz Unschuldiger und gewährt die Bewegungsfreiheit und
das Naturrecht. Die
Artikel 39 und 40 der Magna Charta erklären:
Artikel 39:
Kein freier Mann darf weder verhaftet oder eingesperrt oder enteignet
oder geächtet oder verbannt oder in irgend einer anderen Weise
belästigt werden. Noch werden wir ihn angeifen oder einen anderen
anhalten, ihn anzugreifen, es sei denn ein rechtmäßiges Urteil
gebietet es uns.
Artikel 40:
Niemandem wird Rechtsprechung verkauft, verweigert oder verzögert.
ca. 1600:
Fünf verschiedene Irokesen-Stämme (die Mohawk, Onondaga,
Cayuga, Seneca, und die Oneidas) schließen sich zusammen, um sich
besser zu schützen und das Blutvergießen untereinander zu
beenden. Sie unterzeichnen einen Friedensvertrag und gründen die
Föderation "Haudensaunee".
Dieser Vertrag führt zu einer der ersten Demokratien weltweit.
Jeder Stamm hat eine Stimme im Regierungsprozeß.Ihre Regierungsform
dient später als eines der Modelle für das heutige Regierungssystem
der Vereingten Staaten.
1689:
Die Bill of Rights steht als Fundament der englischen Verfassung
für den Sieg über den Absolutismus der Stuart-Monarchie und
begründet die Parlaments- und Bürgerrechte. Außerdem
führt sie zu einer Machtteilung zwischen dem Monarchen und den
Gutsbesitzern in England. Französische Philosophen wie Jean Jacques
Rousseau sprechen von einem Vertrag zwischen den Regierenden und den
Regierten. Dieser "Gesellschaftsvertrag" bestimmt die Rechte
und Pflichten beider Seiten.
1776:
Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten
verkündet, dass "alle Menschen gleich geschaffen" wurden.
Sie spricht von "unveräußerlichen Rechten", die
das Recht auf Leben und Freiheit mit einschließen.
Diese Rechte zu wahren und zu schützen ist die Aufgabe der Regierungen,
die für das Wohl ihrer Völker Gewähr bieten und mit ihrer
Zustimmung regieren. Im 18. Jahrhundert werden diese Ideen von den Philosophen
der Aufklärung verstärkt. Sie versuchen, Gesellschaften auf
demokratischen Prinzipien zu gründen, die Gleichheit vor dem Gesetz
für ihre Bürger garantieren.Montesquieu entwickelt das Konzept
der Judikative als dritter unabhängigen Gewalt.Hinter all diesen
Prinzipien steht das Interesse, den Menschen die Möglichkeit zu
geben sich voll zu entfalten.
1789:
In Versailles wird die französische Nationalverfassung mit
der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte angenommen. Sie
definiert natürliche Rechte als unveräußerlich und heilig.
"Freiheit" werde als kostbarstes Recht angesehen:
Artikel 1) Der Mensch
ist frei und gleich geboren.
Artikel 2) Die Pflicht aller politischen Bündnisse ist es, die
natürlichen Rechte der Menschen zu wahren und schützen, die
Rechte auf Freiheit, Eigentum und Sicherheit und das Recht sich gegen
Unterdrückung zur Wehr zu setzen. Die
Betonung liegt auf politischen und bürgerlichen Rechten.
1791:
Die Bill of Rights der Vereinigten Staaten führt die Ideen
der Rede- und Pressefreiheit und das Recht auf unparteiische Gerichtsverfahren
ein. Sie wird in die neue U.S.-Verfassung aufgenommen. Thomas Paine
schreibt The Rights of Man, die auf demokratischen Prinzipien und den
Ideen der Französischen Revolution aufbauen. Edmund Burke stellt
fest, Ignoranz, Vernachlässigung und Verachtung der Menschenrechte
seien die einzigen Ursprünge menschlichen Leids.
1791:
Frankreich gesteht Juden die Staatsbürgerschaft zu. In den
Niederlanden können Juden 1796 Staatsbürger werden. Staatsbürgerrechte
für Juden in anderen Ländern folgen: 1812 in Preußen,
1814 in Dänemark, 1830 in Griechenland, 1831 in Belgien, 1867 in
Ungarn, 1870 in Schweden, 1874 in der Schweiz.
1815:
Nach dem Sturz Napoleons treffen die Vertreter der Siegermächte
auf dem Wiener Kongress zusammen. Die Repräsentanten sprechen sich
deutlich gegen Sklaverei aus und betonen die Religionsfreiheit.
Trotzdem folgt eine lange Periode reaktionären Denkens, die gemeinhin
als "Restauration" bezeichnet wird. Die Rede- und Pressefreiheit
wird in den deutschen Staaten erheblich eingeschränkt.
1833:
Großbritannien verabschiedet den Abolition Act, der Sklaverei
im gesamten britischen Weltreich beendet.
1863:
US-Präsident Abraham Lincoln befreit die Sklaven der Vereinigten
Staaten mit seiner Emancipation Proclamation.
1885:
Die Berliner Konferenz über Afrika verabschiedet ein Anti-Sklaverei
Gesetz. 1890 folgt die Brüsseler Konferenz.
1893:
Neuseeland
ist die erste "westliche Demokratie", in der Frauen das Wahlrecht
erhalten. Im selben Jahr entschließt sich die Amerikanerin Matilda
Josyln Gage, die für ihren Kampf für gleiche Rechte für
Frauen bekannt geworden ist, eine Irokesin zu werden. (Als Irokesin
hat sie das volle Wahlrecht.) In den Vereinigten Staaten wird sie im
gleichen Jahr verhaftet, weil sie in einer Schulvorstandswahl gewählt
hat.
1902:
In Australien erhalten Frauen das Wahlrecht für Bundeswahlen.
1917:
Karl Marx ging davon aus, dass die Rechte des Individuums Eigentum
zu besitzen und frei darüber zu verfügen wie er/sie wünsche
die Freiheit anderer einschränke. Auf der Grundlage seiner und
Lenins Vorstellungen entwickelt die Russische Revolution eine Gesellschaft,
die die kollektiven sozio-ökonomischen Rechte auf Kosten der Rechte
des Individuums für absolut erklärt.
1919:
Nach dem Ersten Weltkrieg (damals als "letzter aller Kriege"
bezeichnet) wird der Vertrag von Versailles unterzeichnet. Zum ersten
Mal zieht es die internationale Gemeinschaft in Betracht, Staatsoberhäupter
für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen. Andere
Verträge in Versailles betonen Minderheitenrechte.
1946:
Die Nürnberger Prozesse finden statt, um die nationalsozialitischen
Kriegsverbrecher zu verurteilen. Folgende Beschuldigungen werden gegen
die Angeklagten erhoben:
1) Verbrechen gegen den Frieden
2) Kriegsverbrechen
3) Verbrechen gegen die Menschlichkeit
4) Absicht eines der oben erwähnten Verbrechen zu begehen
1948:
Die Universale Erklärung der Menschenrechte wird unterzeichnet.
Der Holocaust an den Juden, der Völkermord an Sinti und Roma und
andere barbarischen Verbrechen der Nazis im Zweiten Weltkrieg haben
das Gewissen der Menschheit tief bewegt, so dass die Vollversammlung
der Vereinten Nationen die Universale Erklärung der Menschenrechte
und das Recht der Kolonialvölker auf Selbstbestimmung annehmen.
Sie legt die Prinzipien des moralischen, sozialen und politischen Glaubens
dar, der alle Völker der Erde als eine menschliche Familie begreift.
Hinzukommt die die Hoffnung auf eine universale Ordnung, in der die
Rechte und Pflichten aller klar geäußert werden.
Kurzzusammenfassung
der Bestimmungen:
Allgemeine Prinzipien der Freiheit und Gleichheit Artikel 1-2
Persönliche Rechte und Freiheit Artikel 3-11
Intellektuelle Freiheit und Religionsfreiheit Artikel 12-17
Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte Artikel 18-27
Verbindung individueller und gesellschaftlicher Rechte Artikel 28-30
1949:
Die Genfer Konvention setzt Maßstäbe für einen
menschlicheren Umgang mit Kriegsgefangenen, Verwundeten und Zivilisten.
1961:
Amnesty International wird in Großbritannien gegründet
1965:
Die Internationale Konvention der Vereinten Nationen zur "Beseitigung
aller Formen von Rassendiskriminierung" wird angenommen.
1981:
Unterzeichnung der Afrikanischen Charta zum Menschen- und Völkerrecht.
1989:
Die UN-Konvention zum Schutze der Rechte des Kindes wird verabschiedet.
1990:
Die UN-Konvention zum Schutz der Rechte aller Migrationsarbeiter
und ihrer Famlienmitglieder wird angenommen.
1994:
Die Vereinten Nationen erklären das Jahtzehnt der Menschenrechte.
1998:
In Rom wird ein Vertrag zur Errichtung des Internationalen Gerichtshofs
unterzeichnet.
2001:
Der ehemaliger serbische Diktator Slobodan Milosevic wird im internationalen
Tribunal in Den Haag für Kriegsverbrechen angeklagt. Zum ersten
Mal werden Kriegsverbrecher von der internationalen Gemeinschaft zur
Verantwortung gezogen.
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